EWI-Studie zu Kosten eines Kohleausstiegs

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Die Agora Energiewende hatte im Januar 2016 einen Vorschlag für einen staatlich gelenkten Ausstieg aus der Kohleverstromung vorgelegt. Nach einer Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) der Universität Köln würden sich gegenüber einer Entwicklung ohne einen staatlichen Eingriff Mehrkosten in Höhe von rund 72 Mrd. Euro im Zeitraum zwischen 2020 bis 2045 ergeben. Wesentlicher Kostentreiber sind die höheren Erzeugungskosten mit Erdgas zur Kompensation der Erzeugung aus Braun- und Steinkohle.

Das EWI schaltet sich mit der vorgelegten Studie in die Diskussion um einen staatlichen gelenkten Ausstieg aus der Kohleverstromung ein. Grundlage für die EWI-Studie ist das von Agora Energiewende formulierte Konzept, das einen Kohleausstieg bis 2040 bei gleichzeitiger Stilllegung der damit freiwerdenden CO2-Zertifikate vorsieht. Referenzszenario ist die Stilllegung deutscher Kohlekraftwerke nach Ende ihrer technischen Lebensdauer. Beide Szenarien treffen die gleichen Annahmen hinsichtlich des erwarteten Erneuerbaren-Ausbaus.

Nach den Ergebnissen der Studie würde die vorzeitige Stilllegung zu einer Verringerung der CO2-Emissionen um 859 Mio. Tonnen in Deutschland im Zeitraum von 2020 bis 2045 führen. Nur bei gleichzeitiger Stilllegung der freigewordenen CO2-Zertifikate würde sich auch auf europäischer Ebene eine – allerdings geringere – CO2-Einsparung von 634 Mio. t ergeben. Deutlich wird zudem, dass der deutsche Kohleausstieg gegenüber dem Referenzszenario durch den Neubau von Gastkraftwerken mit einer Leistung von 16 GW, mehr Gasverstromung (plus 64 TWh) und ein sinkender Stromexportsaldo kompensiert würde. Die europäische Erdgasnachfrage würde in 2040 um 18 Mrd. Kubikmeter höher liegen als im Referenzszenario.

Im Vergleich zum Referenzszenario ergibt sich ein um 1,8 Euro/MWh höherer Großhandelsstrompreis in Deutschland im Jahr 2040, wobei im Referenzszenario bereits ein Preis von 75,9 Euro/MWh angenommen wird. Auch für einen Teil der Nachbarstaaten würde sich der deutsche Kohleausstieg in Form eines Preisaufschlages niederschlagen.

In Summe ergibt sich eine Mehrbelastung von 71,6 Mrd. Euro im Zeitraum von 2020 bis 2045 im europäischen Strommarkt im Vergleich zum Referenzszenario. In der Kalkulation enthalten sind Mindereinnahmen der Betreiber von Kohlekraftwerken, höhere Kosten für den Wärmebezug, Mehreinnahmen für Betreiber von Gaskraftwerken in Deutschland, Mehreinnahmen von Erzeugern im europäischen Ausland, eine niedrigere EEG-Umlage und die Kosten für die Stilllegung der CO2-Zertifikate. Größter Einzelfaktor für den Kostenanstieg sind die steigenden Kosten für den Brennstoffbezug (59,1 Mrd. Euro). Die durchschnittlichen europaweiten CO2-Vermeidungskosten eines deutschen Kohleausstiegs würden sich damit auf ca. 113 Euro pro Tonne CO2 im Zeitraum 2020 bis 2045 belaufen.

Die am 9. Mai 2016 veröffentlichte Studie der ewi Energy Research & Scenarios gGmbH „Ökonomische Effekte eines deutschen Kohleausstiegs auf den Strommarkt in Deutschland und der EU“ finden Sie unter folgendem Link.

Quelle: DIHK