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Verbindungselement

Die Mobilität von Personen und Gütern ist die Grundlage für wirtschaftliches Handeln und die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Das Logistik- und Transportgewerbe ist eine Schlüsselbranche für ostwestfälische Unternehmen. Allerdings steigen die Herausforderungen.

Ein zentrales Problem der Logistikbranche spürt Horst Kottmeyer im eigenen Unternehmen: ihm fehlen fünf bis zehn Lkw-Fahrer. Für die Spedition in Bad Oeynhausen arbeiten 300 Personen, 250 von ihnen steuern die blauen Firmen-Lkw. Laut Kraftfahrtbundesamt sind eine Million ausgebildete Fahrer älter als 45 Jahre. Jährlich scheiden 65. Bis 70.000 aus und 27.000 kommen durch die Ausbildung zum Berufskraftfahrer nach. „Wir müssen die Attraktivität des Fahrerberufs erhöhen und ihnen mehr Wertschätzung entgegenbringen“, sagt der Firmenchef. In Deutschland gebe es das Image des „blöden Fahrers“, in der Schweiz werde von „Chauffeuren“ gesprochen. Die Spediteure – Kottmeyer ist Vorsitzender des Verbands der Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein- Westfalen e. V. – hätten in den vergangenen zwei Jahren die Löhne um jeweils circa 15 Prozent gesteigert. Auch würden den Fahrern moderne Arbeitsplätze geboten und es gebe innovative Arbeitszeitmodelle, die beispielsweise Wochenendarbeitszeiten regeln und so auch Platz für Familienleben ließen. „Wir beschäftigen Facharbeiter mit Gesellenbrief “, betont der 56-Jährige, sogar eine Weiterbildungspflicht gebe es in dem Beruf. Innerhalb von fünf Jahren müssen 35 Stunden Schulung nachgewiesen werden, um die Fahrerlaubnis zu behalten. Zu den Themen zählten beispielsweise Ladungssicherung, gesunde Ernährung oder Lenk- und Ruhezeiten. Auf dem eigenen Betriebshof hat Kottmeyer ein Gebäude mit Sozial- und Aufenthaltsräumen errichtet, das die Fahrer während ihrer Ruhepausen nutzen können.

ZEITKRITISCHES GESCHÄFT

Der Wandel in der Branche zeige sich auch daran, dass es heute keinen „Manfred Krug – Auf Achse“ mehr gebe. Vor 20 oder 30 Jahren, wenn Routen nach Italien oder Spanien gefahren wurden, waren die Freiheiten größer. Auch ein Badestopp am Stand war möglich, wenn die Ladung trotzdem pünktlich beim Kunden ankam. Heute seien die Lkw GPS-überwacht und die Standzeiten würden erfasst. „Unser Geschäft wird immer zeitkritischer“, sagt der ausgebildete Speditionskaufmann, der das Familienunternehmen in der dritten Generation leitet. Die weltweite Transportmenge werde sich – ausgehend vom Jahr 2008 – bis 2050 verdoppeln, der Anteil des Lkw auf 80 Prozent der transportierten Waren erhöhen. Die restlichen 20 Prozent teilten sich Bahn und Binnenschiff. Dass es zu einer „messbaren Verlagerung“ zwischen den einzelnen Verkehrsträgern komme, sieht der Unternehmer nicht: „Die Bahn ist mit ihren Kapazitäten auf der Nord-Süd-Strecke am Ende und alles, was auf Binnenschiffen transportiert werden kann, ist drauf.“ Dies seien insbesondere Massengüter. Wie eng verzahnt Produktion und Logistik seien, zeige sich an dem bevorstehenden Brexit. Kottmeyers Spedition liefert Automobilteile in Werke nach Großbritannien. „Wir haben uns auf das Zollthema vorbereitet und unsere alte EORI-Nummer, die zur Registrierung und Identifizierung von Wirtschaftsbeteiligten dient, reaktiviert. Wir fallen auf Vor-EU-Standard zurück.“ Er habe mit vielen Kunden gesprochen, eine wirkliche Lösung sei nicht in Sicht. In Großbritannien gebe es 194 Zollämter, davon seien 190 an Häfen und Flughäfen. Es gebe keine Binnenzollämter wie in Deutschland, deshalb sei eine Abfertigung am Hafen erforderlich. Die Verbindung Dover – Calais nutzten täglich rund 10.000 Lkw. Etwa die Hälfte davon setze per Fähre über, der Rest nehme den Zug durch den Euro-Tunnel. „Für jeden dieser Lkw brauchen sie Zollpapiere und müssen ihn abfertigen.“ In Dover gebe es keinen Platz, auf dem die Fahrzeuge anhalten können. Am Tunnelausgang in Folkstone könne zumindest „eine gewisse Menge gepuffert werden“. Ausreichend sei auch das nicht. Berechnungen gehen von einem 100 Kilometer langen Stau aus, der von London bis zum Hafen in Dover reichen würde. „Bei einem harten Brexit stehen nach zwei Tagen alle Automobilwerke in Großbritannien still. Die Regale in den Supermärkten sind nach eineinhalb Tagen leer, denn die Händler haben ihre Beschaffungslogistik zum großen Teil auf den Kontinent verlagert und werden bislang per ‚Nachtsprung‘ über den Kanal beliefert. Das ist dann nicht mehr zu schaffen.“

 

Dieser Artikel ist erschienen im IHK-Magazin Ostwestfälische Wirtschaft, Ausgabe März 2019. Die ganze Story in unserem Online-Reader: https://www.ostwestfalen.ihk.de/presse/ihk-magazin/

Rubriklistenbild: Tomasz Zajda/stock.adobe.com

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