Weltklimarat legt Sondergutachten zur Erderwärmung 1,5 °C vor

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„Rechtzeitig“ vor der nächsten UN-Klimakonferenz (COP 24) in Katowice (Polen) im Dezember dieses Jahres hat der Weltklimarat (IPCC) am 8. Oktober 2018 in Incheon (Korea) den IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung (SR1.5) veröffentlicht.

Dieses Gutachten, das im Auftrag bzw. auf Einladung der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (COP 21) erstellt wurde, umfasst mehr als 6000 wissenschaftliche Referenzen und wurde von 91 Autoren aus vierzig Ländern erstellt. Das IPCC betreibt selbst keine Forschung. Stattdessen bewerten in seinem Auftrag die o. g. Experten die Forschungsergebnisse aus verschiedenen Disziplinen.

Zusammenfassend kann folgendes festgehalten werden:

  1. Globale Erwärmung um 1,5 °C verstehen

Durch menschliche Aktivitäten (anthropogene Emissionen) wurde eine globale Erwärmung mit einer wahrscheinlichen Bandbreite von 0,8 °C bis 1,2 °C über dem vorindustriellen Niveau (Zeitraum 1850 bis 1900) verursacht.

Aber es ist unwahrscheinlich, dass diese Emissionen allein eine globale Erwärmung von 1,5 °C verursachen.

Die klimabedingten Risiken für natürliche und menschliche Systeme sind bei einer globalen Erwärmung um 1,5 °C höher als heute, aber geringer als bei 2 °C.

  1. Projizierte Klimaänderungen und ihre möglichen Folgen und Risiken

Klimabedingte Risiken für Gesundheit, Existenzgrundlagen, Nahrungs- und Wasserversorgung, menschliche Sicherheit und Wirtschaftswachstum werden bei einer Erwärmung um 1,5 °C zunehmen und bei 2 °C weiter ansteigen.

Der Anpassungsbedarf wird bei einer globalen Erwärmung um 1,5 °C in den meisten Fällen geringer sein als bei 2 °C.

  1. Mit 1,5 °C globaler Erwärmung konsistente Emissionspfade und Systemübergänge

Bei 1,5 °C nehmen die globalen anthropogenen Netto-CO2-Emissionen bis 2030 um etwa 45 % gegenüber dem Niveau von 2010 ab und erreichen um 2050 netto null.

Bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 °C nehmen CO2-Emissionen bis 2030 um etwa 20 % ab und erreichen netto null um das Jahr 2075, also erst später.

Sofern die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzt wird, würde dies schnelle und weitreichende Systemübergänge in Energie-, Land-, Stadt- und Infrastruktur sowie in Industriesystemen erfordern. Diese wären von beispiellosen Ausmaßen mit einschneidenden Emissionsminderungen in allen Sektoren, ein breites Portfolio von Minderungsmöglichkeiten und einen bedeutenden Aufwuchs der Investitionen.

Alle Pfade, welche die globale Erwärmung mit begrenzter oder ohne Überschreitung auf 1,5 °C begrenzen, projizieren die Nutzung von Kohlendioxidentnahme (carbon dioxide removal, CDR) in einer Größenordnung von 100 – 1000 Gt CO2 im Verlauf des 21. Jahrhunderts. Damit würden verbleibende Emissionen ausgeglichen werden, um mit netto negativen Emissionen die globale Erwärmung nach einem Höchststand wieder auf 1,5 °C zurückzubringen.

  1. Stärkung der weltweiten Reaktionen in Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung

Eine Überschreitung und eine Abhängigkeit von zukünftig großflächigem Einsatz von Kohlendioxidentnahme (CDR) kann nur vermieden werden, wenn die globalen CO2-Emissionen lange vor 2030 zu sinken beginnen.

Die vermiedenen Folgen des Klimawandels für nachhaltige Entwicklung, Armutsbeseitigung und Gleichstellungsbemühungen wären größer, wenn die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzt würde statt auf 2 °C.

Die Risikobegrenzung einer globalen Erwärmung um 1,5 °C setzt Systemübergänge voraus, die durch eine Erhöhung der Anpassungs- und Minderungsinvestitionen, politische Instrumente, die Beschleunigung von Technologieinnovation und Verhaltensänderungen ermöglicht werden können – d. h. global in den nächsten 12 Jahren!

Aus der gemeinsamen Pressemitteilung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek ist festzuhalten – hier der Link.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Wir dürfen beim Klimaschutz keine Zeit mehr verlieren. Das ist die Kernbotschaft des Berichts. Die nächsten Jahre sind entscheidend…Wir müssen den Abschied von Kohle, Öl und Gas hinbekommen…Dieser Umbau bringt viele Veränderungen mit sich und die große Chance, unsere Wirtschaft zukunftsfähiger und unsere Gesellschaft lebenswerter zu machen.“

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: „Wir brauchen starke Beiträge aus der Forschung und müssen das Potenzial der Wissenschaft noch stärker ausschöpfen…Diese müssen den Klimawandel mindern, gleichzeitig sozialverträglich gelingen und Innovationsschübe für die Wirtschaft liefern.“

Quelle: DIHK