Energiewende: Deutschland hinkt eigenen Zielen hinterher

with Keine Kommentare

Am 27. Juni verabschiedete das Bundeskabinett den sechsten Monitoring-Bericht „Energie der Zukunft“. Trotz erheblicher Anstrengungen und Fortschritte werden wohl verschiedene im Energiekonzept der Bundesregierung genannte Zielmarken im Jahr 2020 verfehlt.

Der Monitoring-Bericht basiert auf Zahlen des Jahres 2016 – einige ausgewählte Inhalte:

Treibhausgasausstoß: Die Treibhausgasemissionen sind im Jahr 2016 leicht angestiegen, gegenüber 1990 aber insgesamt um 27,3 Prozent gesunken. Derzeit prüft die Bundesregierung, welche ergänzenden Maßnahmen vorzunehmen sind, um das Klimaschutzziel für 2020 (minus 40 Prozent gegenüber 1990) gemäß dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD so schnell wie möglich zu erreichen. Die Frage ist auch Teil der Aufgabenstellung der vor Kurzem eingerichteten Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“.

Ausbau und Anteil der erneuerbaren Energien: Mit einem Anteil von 31,6 Prozent am Bruttostromverbrauch stammte im Jahr 2016 fast jede dritte Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien.

Energieverbrauch: Die bisher erreichten jährlichen Reduktionen von durchschnittlich 0,8 Prozent seit 2008 reichen nicht aus, um das Einsparziel bis 2020 (minus 20 Prozent) zu erreichen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Monitoring-Bericht für den Endenergieverbrauch in Gebäuden und im Verkehr. Im Gebäudebereich war im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von 4,3 Prozent zu verzeichnen. Um die Zielvorgabe einer Reduktion von 20 Prozent bis 2020 einzuhalten, müsste er daher in den verbleibenden Jahren fünfmal schneller sinken. Der Endenergieverbrauch im Verkehr entwickelte sich mit einem Anstieg um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 4,2 Prozent gegenüber 2005 weiterhin gegenläufig zu den Zielen des Energiekonzepts. Unter den bisherigen Rahmenbedingungen kann die Erreichung des 2020-Ziels (minus 10 Prozent) wohl erst um das Jahr 2030 herum erwartet werden.

Kosten (-effizienz) der Energiewende: War im Jahr 2016 ein Anstieg der Strompreise für Haushaltskunden um durchschnittlich 2,4 Prozent zu verzeichnen, lagen die Preise 2017 annähernd auf dem Niveau des Vorjahres. Für Industriekunden, die nicht unter Entlastungsregelungen fallen, gingen die Strompreise 2016 um 4,0 Prozent zurück. Die Letztverbraucherausgaben für den Endenergieverbrauch sind im Jahr 2016 von 215 auf 212 Milliarden Euro gesunken. Der Anteil der Endenergieausgaben am nominalen Bruttoinlandsprodukt ging im Vergleich zum Vorjahr von 7,1 Prozent auf 6,7 Prozent zurück. Die Ausgaben für Strom sanken gemessen am Bruttoinlandsprodukt auf den niedrigsten Stand seit 2010. Die Energiekosten durch den Verbrauch importierter fossiler Primärenergieträger sind 2016 gegenüber dem Vorjahr von 54,8 auf 45,9 Milliarden Euro gefallen. Wichtigste Ursache sind die erneut deutlich gesunkenen Preise auf den globalen Rohstoffmärkten.

Versorgungssicherheit (Strom): Die Energienachfrage in Deutschland ist jederzeit gedeckt, so dass ein hohes Maß an Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Dazu trägt auch der europäische Strommarkt bei. Auch im internationalen Vergleich gehört Deutschland mit einer konstant sehr hohen Versorgungsqualität zur Spitzengruppe. Gleichzeitig müssen erneuerbare Energien und Stromnetzkapazitäten – auch regional – noch besser synchronisiert, der Netzausbau beschleunigt sowie die Bestandsnetze modernisiert und optimiert werden.

Der Bericht ist Teil eines 2011 gestarteten Prozesses um die Fortschritte der deutschen Energiewende zu ermitteln und zu bewerten. Dieser Monitoring-Prozess wird durch eine unabhängige Expertenkommission wissenschaftlich begleitet, die den Bericht ihrerseits noch einmal kommentiert. Die Expertengruppe bewertet die Zielerreichung zunehmend negativ und setzt von 21 gebildeten Indikatoren zur Zielerreichung 2020 inklusive des Kernenergieausstiegs nur sieben auf grün (Zielerfüllung wahrscheinlich) und jeweils sieben auf gelb (Zielerfüllung nicht sichergestellt) und rot (Zielerfüllung unwahrscheinlich).

Den Bericht sowie weitere Unterlagen finden Sie hier:

Quelle: DIHK