Heute ist Tag des Ehrenamts! Für die Industrie- und Handelskammern ist das ehrenamtliche Engagement von großer Bedeutung. Warum das so ist und welchen Stellenwert das Ehrenamt bei der IHK einnimmt, beantwortet Dr. Ralf Becker, IHK-Vizepräsident von 2010 bis 2018, im Interview.

Herr Dr. Becker, das Parlament der Wirtschaft in Ostwestfalen ist die Vollversammlung der IHK. Weshalb ist die Selbstverwaltung der Wirtschaft so wichtig?

Dr. Becker: Die Selbstverwaltung durch die Kammern in Deutschland ist ein Garant für ein effizientes Bildungsmanagement und sie kann am besten die Interessen der Wirtschaft vertreten. Die IHK kann sicherlich die ihr gestellten Aufgaben besser als Behörden und andere staatliche Stellen erledigen. Die Selbstverwaltung ist eine große Chance für uns Unternehmer.  Dabei gilt das Subsidiaritätsprinzip: Jeder macht das, was er kann. Und die Wirtschaftsvertreter können den Gestaltungsspielraum für die gewerbliche Wirtschaft selbst artikulieren und wahrnehmen. Außerdem entlastet die Wirtschaft mit außerordentlichem ehrenamtlichem Engagement den Staat bei hoheitlichen Aufgaben.

Welche Rolle spielt Ihrer Erfahrung nach das IHK-Ehrenamt dabei?

Dr. Becker: Eine wirklich große. Für die IHK-Arbeit ist das Ehrenamt die entscheidende Säule. Insgesamt 5.200 Personen engagieren sich ehrenamtlich in der IHK, allein 3.100 als Ausbildungsprüfer. Sie sorgen mit für eine praxisnahe duale Ausbildung, die meines Wissens international vorbildlich ist. Durch das Ehrenamt können die Ausbildungsprüfungen zudem deutlich effizienter abgenommen werden, als staatliche Stellen es könnten. Diese wären viel bürokratischer – und somit auch deutlich teurer.

Weshalb sollten sich Unternehmensvertreter grundsätzlich ehrenamtlich für die IHK engagieren?

Dr. Becker: Wir müssen uns selbst mit einbringen, wenn wir als Wirtschaft gesellschaftlich und politisch mit gestalten wollen. Wir haben durch die flächendeckende IHK-Organisation die Möglichkeit, auf verschiedenen Ebenen Einfluss zu nehmen: Durch die IHKs in den Bezirken auf lokaler Ebene, durch die IHK NRW in Düsseldorf auf nordrhein-westfälischer Ebene und durch den DIHK in Berlin auf Bundesebene. In dieser Form ist diese Konstruktion einmalig unter den Wirtschaftsorganisationen. Die Politik kann uns schließlich nur wahrnehmen, wenn wir diese Vorteile nutzen und uns engagieren. Somit können wir dabei helfen, die Standortbedingungen für unsere gesamte gewerbliche Wirtschaft zu verbessern.

Dr. Ralf Becker

Welchen Gestaltungsspielraum sollten und können IHK-Ehrenämtler nutzen?

Dr. Becker: In ihren Betrieben arbeiten viele IHK-Ehrenämtler in Führungspositionen. Sie wissen genau, wo in ihrem Unternehmen der Schuh drückt und wo es vor Ort Probleme in der Standortsicherung oder beispielswiese in der Ausbildung gibt. Sie wissen, welche Rahmenbedingungen für erfolgreiche Firmen von Nöten sind. Damit Politiker dies in ihre Entscheidungsprozesse mit einfließen lassen, können die Unternehmer sie darüber informieren und aufklären.

Interview: Jörg Deibert, IHK