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„Es ist toll, wenn man gratulieren kann“, sagt Maik Hoppe. 250 Mal konnte der Bankfachwirt und Leiter der Personalabteilung bei der Kreissparkasse in Halle schon Hände junger Leute nach deren bestandener Prüfung schütteln: Der 46-Jährige ist seit 2004 Mitglied im IHK-Prüfungsausschuss für Bankkaufleute. „Ich habe während meiner eigenen Ausbildung selbst sehr viele motivierte und engagierte Ehrenämtler kennengelernt“, nennt er einen Grund, sich zusätzlich zum Beruf einzubringen. Seine eigene Ausbildung hat er 1993 abgeschlossen und ist seinem Ausbildungsbetrieb bis heute treu geblieben. Nach zehn Jahren wurde Hoppe Ausbildungsleiter, zu der Zeit wurde die Bankenfachklasse des Berufkollegs von Halle nach Gütersloh verlegt und auch der Prüfungsausschuss neu konstituiert. Zeit für ihn, mit seinem berufsbezogenen Ehrenamt zu beginnen. „Es ist sinnvoll, man kann Netzwerken, sich mit Berufsschullehrern austauschen, persönliche Erfahrungen hinzugewinnen und sich weiterentwickeln“, blickt Hoppe auf fast 15 Jahre Prüfungsausschuss zurück. Erfahrungen, die er auch in seinem Berufsalltag nutzen kann. Aktuell sucht die Kreissparkasse Halle junge Leute für den 100. Ausbildungsjahrgang. An vier Standorten – Halle, Werther, Steinhagen und Borgholzhausen – sind 200 Mitarbeiter beschäftigt, davon zwölf Auszubildende, vier pro Ausbildungsjahr. „Wir müssen länger suchen, um die Stellen zu besetzen“, beschreibt er die geänderten Anforderungen für das Geldinstitut. Rund zwei Drittel der späteren Azubis hätten vorab schon als Praktikanten „Sparkassenluft“ geschnuppert. Auch Studienabbrecher würden als potenzielle Auszubildende zunehmend interessant. „Unser Ziel ist es, unsere Auszubildenden anschließend zu übernehmen“, beschreibt er die Personalpolitik des Hauses.

In einem weiteren IHK-Ehrenamt fasst Hoppe seit knapp einem halben Jahr Fuß, gewissermaßen als Kontrastprogramm zu seinen durchweg positiven Erfahrungen als Prüfungsausschussmitglied. Hoppe engagiert sich im Schlichtungsausschusses, in dem Streitfälle zwischen Ausbildungsbetrieben und Auszubildenden verhandelt werden. Als „sehr emotional“ beschreibt er die Stimmung während der ersten Runden, bei denen es um nicht eingehaltene Termine oder den Verstoß gegen betriebliche Regelungen seitens der Auszubildenden ging. „Die Frustrationsgrenze war erreicht. Wir haben trotzdem eine einvernehmliche Lösung gefunden“, freut sich der Bankfachwirt.

Sein Arbeitgeber unterstütze das Engagement, zu dem zusätzlich zu den beiden IHK-Ämtern noch sein Einsatz als ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht in Bielefeld zählt. Über das nötige Zeitfenster habe er immer verfügen können. Für die Vorbereitung auf den Prüfungsausschuss rechnet er mit rund einer halben Arbeitswoche pro Halbjahr. Bislang sei es noch nie zum Konflikt zwischen Beruf und Ehrenamt gekommen. „Ich weiß schon, wer mich bezahlt“, lässt Hoppe keine Zweifel aufkommen, wie er sich in einem solchen Fall entscheiden würde.

„Ich fühle mich wohl“, resümiert er mit Blick auf seine drei ehrenamtlichen Aufgaben, „ich kann etwas zurückgeben von den Erfahrungen, die ich selbst gesammelt habe. Auch ich habe von anderen profitiert.“ Gefragt nach der weiteren Entwicklung in den kommenden zehn Jahren meint Hoppe, dass er am ehesten sein Amt im Prüfungsausschuss aufgeben würde, nach dann einem knappen Vierteljahrhundert. „Man muss sein eigenes Alter in Bezug zum Alter der Azubis setzen und sich fragen, ob man sich noch genug auf die Lebenswelt der jungen Leute einlassen kann. Es gibt auch bei uns in der Kreissparkasse jüngere Leute, die das Ehrenamt gut weiterführen können.“ Denn Hoppe ist sich sicher: „Es bedarf immer wieder engagierter Leute, die die eigene Erfahrung mit einbringen, um die Berufsausbildung praxisnah zu gestalten.“

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der aktuellen Ausgabe unserer Ostwestfälischen Wirtschaft.