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„it´s owl“ – Erfolgsgeschichte 2.0

Bildquelle: Universität Bielefeld

Das Spitzencluster „it´s owl“ geht in die Fördergeld-Verlängerung. Neben der bisherigen Spitzentechnologie-Forschung rücken neue Themen gleichberechtigt auf. Die IHK will mehr Transferprojekte zwischen Unternehmen und Hochschulen vermitteln.

Es ist ein Erfolgsprojekt, das fortgeschrieben wird. Nach fünf Jahren Zusammenarbeit im Technologienetzwerk „it´s owl“ ziehen Wirtschaft und Wissenschaft eine positive Bilanz. Über 200 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen sind Mitglieder im Trägerverein „it´s owl e.V.“, der einzigen Gesellschafterin der „it´s owl Clustermanagement GmbH“.

Mit einer neuen Förderzusage Nordrhein-Westfalens stehen in den kommenden fünf Jahren 53 Millionen Euro für neue Projekte zur Verfügung. Die Landesförderung schließt an die Auftaktfinanzierung des Bundes in Höhe von 40 Millionen Euro an, die im Zuge der nationalen Spitzencluster-Strategie 2012 in die Region geflossen sind. Ostwestfalen-Lippe hatte sich damals mit seinem Industrie 4.0-Konzept durchgesetzt und sogar Baden Württemberg auf die Plätze verwiesen.

Bislang wurden insgesamt 47 Projekte in dem ersten Förderzeitraum von 2012 bis 2017 erfolgreich umgesetzt. Passend zu den Querschnittsthemen, wie zum Beispiel „Intelligente Vernetzung“ oder „Mensch – Maschine – Interaktion“, wurden gemeinsam von Hochschulen, Forschungsinstituten und Unternehmen die Grundlagen für neue Technologien und Methoden für Intelligente Technische Systeme entwickelt und erforscht. Von Unternehmen wurde diese dann in sogenannten Innovationsprojekten umgesetzt, aus denen marktfähige Produkte und Produktionssysteme entstanden sind. Mittels sogenannter Transferprojekte wurden diese neuen Technologien in weiteren interessierten, meist kleinen und mittelständischen Unternehmen eingeführt. 171 dieser Transferprojekte wurden erfolgreich abgeschlossen. Ziel des Spitzenclusters ist es, Ostwestfalen-Lippe als führende Region für Industrie 4.0-Anwendungen zu etablieren.

Hinter dem Industrie 4.0-Begriff verbergen sich laut Spitzencluster-Definition Intelligente Technische Systeme, die auf dem Zusammenspiel von Informatik und Ingenieurwissenschaften beruhen. Softwarekomponenten werden in Maschinen und Anlagen integriert, um Steuerung, Regelung und Datenverarbeitung zu übernehmen. „Sie verleihen technischen Systemen eine maschinelle Intelligenz und machen das Leben leichter“, heißt es dazu auf den Seiten von it´s owl. Zu den zentralen Eigenschaften Intelligenter Technischer Systeme gehören vier Voraussetzungen: sie sind adaptiv, das heißt, sie interagieren mit ihrer Umgebung und passen sich dieser selbstständig an. Unter „robust“ verstehen Entwickler die Eigenschaft, auch unerwartete Situationen in einem sich stetig wandelnden Umfeld lösen zu können. Als „vorausschauend“ werden solche Eigenschaften beschrieben, bei der die Wirkungen unterschiedlicher Einflüsse auf Basis von Erfahrungswissen antizipiert werden können. Intelligente Technische Systeme können darüber hinaus das unterschiedliche Verhalten von Anwendern berücksichtigen und sich diesem selbstständig anpassen und gelten deshalb als benutzerfreundlich.

An dem Beispiel eines Maschinenbau-Unternehmens mit über 200 Mitarbeitern erläutert Jörg Rodehutskors, Technologiereferent bei der IHK Ostwestfalen, den Industrie 4.0-Transfer in die Praxis. „Bei dem Unternehmen, einem Hersteller von Blechpressen für die Automobilindustrie, hat sich das Geschäftsmodell weiterentwickelt. Hat das Unternehmen bislang beispielsweise eine Presse an VW verkauft, werden nun die täglich von der Presse produzierten Motorhauben berechnet.“ Eine neue Steuerung mit entsprechender Datenübertragung an den Pressenhersteller ermöglicht eine stückgenaue Abrechnung. Das führt neben der technischen Innovation dazu, dass das Unternehmen seine kaufmännischen Prozesse anpassen muss. Statt einer Rechnung für die Maschine werden nun viele Teilrechnungen gestellt und verbucht. Mit der Hausbank muss ein längerer Finanzierungszeitraum vereinbart werden, da die gelieferte Presse vom Kunden nicht mehr „auf einmal“ bezahlt wird, sondern nur noch die – um beim Beispiel zu bleiben – produzierten Motorhauben. „Erwartet wird ‚Verfügbarkeit‘, ohne dafür in eine eigene Maschine investieren zu müssen. An dem Beispiel zeigt sich der Wandel von einem Hersteller zum Dienstleister. Andere Branchen werden folgen“, sagt Rodehutskors.

Das von den Transferprojekten auch kleinere Unternehmen profitieren, verdeutlicht er an einem anderen Beispiel aus dem Sondermaschinenbau. Ein Hersteller von Druckmaschinen mit 20 Mitarbeitern hat gemeinsam mit Partnern aus der Hochschule einen digitalen Druckkopf entwickelt. Ein Kunde aus der Lebensmittelindustrie benötigt eine Anwendung, um Produkte individuell bedrucken zu können. „Zusätzlich zur Steuer- und Regelungstechnik ging es auch darum, eine Farbe zu entwickeln, die der Laserdrucker verarbeiten kann und die lebensmitteltauglich ist“, beschreibt Rodehutskors die Anforderungen. Mit der neuen Technik können einzelne Verpackungen, Stichwort „Losgröße 1“, individuell bedruckt werden – ohne, dass dafür der Druck der Standardverpackungen angehalten werden muss.
Die IHK Ostwestfalen fördert das Spitzencluster it´s owl auf zweierlei Weise. Zum einen übernimmt sie die Geschäftsführung des Vereins. Zum anderen beraten und unterstützen die IHK-Technologiereferenten Jörg Rodehutskors und Uwe Lück Unternehmen aktiv dabei, geeignete Kooperationspartner aus den Hochschulen für die Entwicklung und Umsetzung ihrer Produktideen zu finden. „Damit startet dann ein neues Transferprojekt“, ordnet Rodehutskors die Rolle der IHK ein.

Mit der neuen Förderzusage verändert sich auch die Ausrichtung des Spitzenclusters. Lag der Schwerpunkt bisher auf der Spitzentechnologieförderung, kommen nun drei weitere, gleichberechtigte Bereiche hinzu. Der Technologietransfer aus dem bisherigen Förderprogramm wird aufgewertet. Das „Unternehmertum für die digitale Industrie“ beschäftigt sich mit Geschäftsmodellen, Gründern und dem digitalen Unternehmertum, um den Wandel von Hersteller zum Dienstleister weiter zu unterstützen. Der Bereich „Zukunft der Arbeit“ rückt den Menschen in den Mittelpunkt und fragt, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Beschäftigten und deren Qualifizierung hat. „Aus den bisherigen ‚Randthemen‘ sind Fokusthemen geworden“, sagt Rodehutskors, und: „Wir sind durch die neue Förderphase in der glücklichen Lage, wesentlich mehr Transferprojekte vermitteln zu können.“

Autor: Heiko Stoll

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