Die IHK zieht Bilanz für 2022: Die Zahl neu eingetragener Ausbildungsverträge in Ostwestfalen steigt erneut und liegt damit sogar über dem Bundestrend.

Ausbildungssituation in Ostwestfalen übersteigt positiven Bundestrend

„Für die Ausbildung in Ostwestfalen war 2022 ein erfreuliches Jahr“, resümiert Petra Pigerl-Radtke, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK). „Wir verzeichnen im Vorjahresvergleich 5,4 Prozent mehr neu eingetragene Ausbildungsverträge und liegen damit sogar deutlich über dem Bundestrend.“ Mit insgesamt 7.173 neu eingetragenen Ausbildungsverträgen im Jahr 2022 gehöre die IHK Ostwestfalen zusammen mit Köln und Münster zu den ausbildungsstärksten der insgesamt 16 IHKs in Nordrhein-Westfalen.

Vor-Corona-Niveau noch nicht ganz erreicht

Dieser Trend zeichne sich bereits seit einiger Zeit ab und wurde von den jüngst veröffentlichten Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) bestätigt. Bereits zum Erhebungsstichtag (30.09.2022) lag Ostwestfalen mit einem Plus von 4,4 Prozent an neu eingetragenen Ausbildungsverträgen weit über dem bundesweiten Durchschnitt (+0,4 Prozent). Das Vor-Corona-Niveau aus dem Jahr 2019 mit 7.717 Neueintragungen sei damit allerdings noch nicht ganz erreicht.

„Hier spüren wir noch die pandemiebedingten Auswirkungen der eingeschränkten Berufsorientierungsmöglichkeiten“, erklärt Ute Horstkötter-Starke, IHK-Geschäftsführerin Berufliche Bildung, und führt aus: „Praktika, der wichtigste Baustein der Berufsorientierung, waren während der Pandemie oft nicht möglich. Das hat sich natürlich auch auf den Ausbildungsmarkt ausgewirkt.“

Entwicklung in den Kreisen

Die Entwicklung in Ostwestfalen verlaufe unterschiedlich. Während die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge 2022 für kaufmännischen Berufe um 1,5 Prozent (4.346 Neueintragungen) stieg, sei besonders im gewerblich-technischen Bereich ein hoher Zuwachs sichtbar (+12 Prozent, 2.827 Neueintragungen). „Das werten wir als klares Bekenntnis der heimischen Wirtschaft zum Produktionsstandort Ostwestfalen“, deutet Horstkötter-Starke die positiven Zahlen.

Weiterhin zeigen sich Unterschiede in den einzelnen Regionen des IHK-Bezirks. Spitzenreiter bei den Neueintragungen sei der Kreis Paderborn, mit einem Zuwachs von 10,4 Prozent auf 1.290 neue Ausbildungsverhältnisse. An zweiter Stelle stehe die Stadt Bielefeld mit einem Plus von 7,5 Prozent (1.439 Neueintragungen), gefolgt von den Kreisen Herford mit plus 5,9 Prozent (998 Neueintragungen), Gütersloh mit plus 5,5 Prozent (1.694 Neueintragungen) und Minden-Lübbecke mit plus 0,5 Prozent (1.341 Neueintragungen). Ein leichter Abwärtstrend sei im Kreis Höxter mit einem Minus von einem Prozent (409 Neueintragungen) zu verzeichnen.

Positive Entwicklung

„Wir freuen uns über die sehr gute Entwicklung auf dem ostwestfälischen Ausbildungsmarkt. Sie zeigt, dass die Ausbildung für IHK-Unternehmen einen hohen Stellenwert hat und eine große Rolle bei der eigenen Fachkräftesicherung spielt“, betont Pigerl-Radtke und ergänzt: „Tatsächlich hätten die Unternehmen gerne noch mehr freie Ausbildungsplätze vergeben, konnten diese aber leider nicht besetzen.“

Allein auf der Berufswahlplattform www.ausbildungschance-owl.de waren für 2022 am Jahresende noch 226 offene Ausbildungsstellen gelistet. Grund dafür sei neben dem demografischen Wandel besonders der Bildungstrend.

„Dabei ist die Annahme, dass ein Studium den Weg zu einer besseren Karriere ebnet, nicht pauschal korrekt. Gemäß dem Deutschen Qualifikationsrahmen haben bestimmte Abschlüsse in der Beruflichen Bildung sogar die gleiche Wertigkeit wie zum Beispiel ein Bachelorabschluss. Die Duale Berufsausbildung punktet zudem noch durch den Erwerb von Berufserfahrung. Diese ist existenziell für die Zukunftssicherung vieler Branchen. Hier sind wir gefragt, die Chancen der Beruflichen Bildung zu vermitteln und so Jugendliche zu einer Dualen Ausbildung zu ermutigen“, appelliert die IHK-Hauptgeschäftsführerin. „Die Berufliche Bildung ist Deutschlands Schatz im Fachkräftesicherungssystem.“