Das Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“, ein Bestandteil von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ der Bundesregierung, fasst die Vorteile des Stillens für Mutter und Kind sowie eine Empfehlung für Stillbeginn und – dauer wie folgt zusammen:
Stillen hat sowohl für das Baby als auch für die Mutter gesundheitliche Vorteile, die bereits durch zahlreiche Studien belegt sind. Zur Muttermilch gibt es bisher keine gleichwertige Alternative. Die Zusammensetzung der Muttermilch ist an die kindlichen Bedürfnisse angepasst. Die Milch liefert dem Baby die für das Wachstum und eine gesunde Entwicklung wichtigen Nährstoffe. Muttermilch ist hygienisch einwandfrei und richtig temperiert. Sie ist praktisch, weil sie immer verfügbar und mit keinen Kosten verbunden ist. Gestillte Kinder haben im Vergleich zu nichtgestillten Kindern ein verringertes Risiko für Durchfall, Mittelohrentzündungen und späteres Übergewicht. Das Stillen ist darüber hinaus mit einem geringeren Risiko für den plötzlichen Kindstod assoziiert. Hinzukommend haben stillende Frauen gegenüber nichtstillenden Frauen gesundheitliche Vorteile. Durch die raschere Gebärmutterrückbildung nach der Geburt ergibt sich eine Risikominderung für Brust- und Eierstockkrebs. Stillen kann zudem zur Förderung der emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind beitragen.

Im ersten Lebensjahr sollen Säuglinge mindestens bis zum Beginn des 5. Monats ausschließlich gestillt werden. Auch nach Einführung der Beikost – spätestens mit Beginn des 7. Monats – sollen Säuglinge weitergestillt werden. Wie lange insgesamt gestillt wird, bestimmen Mutter und Kind.

Es wird darauf hingewiesen, dass auch Teilstillen wertvoll ist. Trotz eindeutiger Vorteile sieht man heutzutage wenige stillende Mütter in der Öffentlichkeit. Zu häufig fühlen sich Frauen beim Stillen in der Öffentlichkeit unwohl oder haben Schwierigkeiten einen geeigneten Ort zu finden. Stillen ist jedoch normal und gesund. Deshalb sollten sich junge Familien nicht zurückziehen müssen und auch während der Stillzeit am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Daten:
Die bundesdeutschen Stilldaten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, das initial 67,7% der Säuglinge ausschließlich gestillt werden, also ausschließlich Muttermilch bekommen. Diese Rate schrumpft bis zum Ende des 4. Monats auf 40% (Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KiGGS) des RKI, 2. Welle 2012-2016). D.h., es gibt ein erhebliches Präventionspotential für die Stillförderung und für die Gesundheit der Säuglinge und Mütter; die Säuglinge könnten ja möglichst bis Ende des 4. Monats beinahe sämtlich ausschließlich gestillt werden. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung ist diese Rate um 6 Prozentpunkte angestiegen (34%, 1. Welle KiGGS-Studie 2009-2012), wir beobachten also einen positiven Trend.

Das volle Stillen, also neben der Muttermilch das Stillen mit Wasser oder wasserhaltigen Getränken (ungesüßte Tees), erfuhren 72% der Säuglinge in KiGGS Welle 2 und 1, d.h. ein Stagnieren dieser Quote ist festzuhalten. Am Ende des 4. Monats haben in der 2. Welle von KiGGS nur 45% der Mütter noch gestillt. Die umfangreichen Datenerhebungen auf Bundesebene können im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen in Bielefeld nicht wiederholt werden. Stattdessen beschränkt sich der Datensatz auf die retrospektive Frage, ob jemals gestillt wurde. Das jegliche Stillen führten laut KiGGS-Studie 85,4% der Mütter in Deutschland durch, und zwar bezogen auf den Geburtsjahrgang 2011/2012 (da die Schuleingangsuntersuchung im Alter von rd. 6 Jahren stattfindet, schauen wir vom Erhebungszeitraum aus 6 Jahre zurück). In Bielefeld sind es 84,6% gewesen, ein geringer Unterschied. Am Ende des 4. Monats sind es in Bielefeld noch 59,1% der Mütter gewesen, die jemals stillten, bundesweit 63,7%. Auch nach 6 Monaten, der eigentlich von der WHO anvisierte Zielmonat für das ausschließliche Stillen, waren es auf Bundesebene noch mehr Mütter gewesen, die in irgendeiner Form stillten (53,1% vs. 47,4%). Danach zeigt sich das interessante Ergebnis, dass es einen größeren Anteil von Müttern in Bielefeld gibt, die 12 Monate und mehr überhaupt stillten, als in Deutschland (vgl. Abbildung 1). Rd. 15,5% der Säuglinge werden überhaupt nicht gestillt; Bielefeld liegt hier im Bundeswert. Es zeigt sich bei der Frage, ob überhaupt gestillt wurde, also kein nennenswerter Unterschied in Bielefeld zum Geburtsjahrgag auf Bundesebene, während nach Dauer die Stillquoten jeglichen Stillens nach dem 2., 3. und 4. Monat auf Bundesebene größer sind, in Bielefeld aber etwas nachhaltiger, da sie nach 12 Monaten und darüber hinaus größer sind als auf Bundesebene.

Abbildung 1


Da das Stillen und die Stilldauer und damit eindeutige gesundheitliche Vorteile für Mutter und Säugling von verschiedenen Determinanten mal mehr, mal weniger abhängig sind, wird exemplarisch die Bildungsschicht angeführt. Diese Determinante zeigt, dass die Stillquote des jeglichen Stillens in der niedrigen Bildungsschicht mit 71,9% in Bielefeld am niedrigsten gewesen ist, mit 93,8% der Säuglinge der hohen Bildungsschicht am höchsten (Abbildung 2). D.h. zur Stillförderung müssen solche Determinanten berücksichtigt werden. Die Regelungen des Mutterschutzgesetzes zur Stillförderung am Arbeitsplatz sind auch wichtige Bedingungen, um den Stillgedanken und die damit verbundenen eindeutigen gesundheitlichen Vorteile zu fördern.

Abbildung 2

Ziele der Kampagne:
Die diesjährige Weltstillwoche steht unter dem Motto „Eltern stärken für das Stillen“. Mit der Kampagne „Stillfreundliches Bielefeld“ möchte das Gesundheits- Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Bielefeld das Stillen unterstützen und fördern, um allen Kindern von Lebensbeginn an eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Hierfür soll zum einen über die Vorteile des Stillens aufgeklärt werden und die allgemeine Akzeptanz für das Stillen in der Öffentlichkeit mithilfe positiver Botschaften erhöht werden. Zum anderen sollen für stillende Frauen mehr Möglichkeiten in ihren Lebenswelten geschaffen werden, unterwegs ihr Baby zu stillen.
Interessierte Lokale, Geschäfte und Öffentliche Einrichtungen haben die Möglichkeit sich durch einen Aufkleber sichtbar als stillfreundlicher Ort auszeichnen zu lassen, auf einer Liste im Internet veröffentlicht zu werden und somit einen Beitrag zur Familienfreundlichkeit in Bielefeld zu leisten. Hierbei orientiert sich die Stadt Bielefeld an dem Vorgehen anderer Städte, die solche Aktionen bereits durchführen.
Für das Logo des Aufklebers wird ein internationales Piktogramm für das Stillen sowie der Spruch „Stillen geht überall … FINDEN WIR AUCH“ verwendet. Eine Teilnahme an der Aktion ist freiwillig und mit nur wenig zu erfüllenden Kriterien verbunden (stillfreundliche Atmosphäre/ Sitzmöglichkeit/ keine Notwendigkeit des Konsums). Die Aufkleber, Informationsposter und Postkarten können im Internet auf der Seite der Stadt Bielefeld bestellt werden.

Verschiedene Institutionen unterstützen die Stillkampagne der Stadt Bielefeld zur Stillfreundlichkeit. Die Thematik wird in verschiedenen Newslettern aufgenommen, um auf die Kampagne aufmerksam zu machen. Zudem werden Informationsposter im Oktober 2019 in den Stadtbahnen und Bussen von moBiel sowie in weiteren Institutionen (Krankenhäusern, Arztpraxen, Beratungsstellen etc.) platziert. Die Aufklärung zur Reform des Mutterschutzgesetzes zur Stillförderung am Arbeitsplatz ist eine weitere geplante Maßnahme im Rahmen dieser Kampagne.

Quelle: Stadt Bielefeld, Gesundheits-, Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt