Studie: Unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen für EE führen zu Markt-verzerrungen in der EU

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Bis 2030 sollen 50 Prozent des EU-Stroms aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird grenzüberschreitende Kooperation immer wichtiger. Doch von Land zu Land unterscheiden sich die regulatorischen Rahmenbedingungen erheblich. Laut einer aktuellen Studie kann dies die Gestehungskosten mehr beeinflussen als das Winddargebot und führt zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen bei Erneuerbare-Energien-Auktionen.

Wie hoch die Kosten für die Entstehungskosten von Windenergie sind, hängt stark von den regulatorischen Rahmenbedingen des jeweiligen Staates ab, ergab eine Studie in Auftrag gegeben von Agora Energiewende. So liegt der kombinierte Effekt aus Planung, Genehmigung, Netzzugang, Steuern und Finanzierung in Deutschland bei 12,2 EUR/MWh, während er in Belgien 26,4 EUR/MWh beträgt. Im Vergleich dazu erhöht eine 10 prozentige Abnahme des Winddargebots den LCOE (levelised cost of electricity) nur um 6,4 EUR/MWh.

Wie problematisch das ist, zeigt das Beispiel einer grenzüberschreitenden deutsch-dänischen Solarenergie-Ausschreibung aus dem Jahr 2016. Hier gingen alle Zuschläge an dänische Bieter. Der Hauptgrund: Wiesen und Äcker lassen sich dort leichter und günstiger für Solarparks nutzen. Für die Studie wurden die Länder des Pentalateralen Energieforums (Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz) verglichen. Dabei standen die regulatorischen Kosten von Planung und Genehmigung, Finanzierung, Netznutzung und -anschluss eines durchschnittlichen Windprojekts im Fokus.

Für alle Parameter wurden signifikante Auswirkungen auf die Gestehungskosten festgestellt. Als Haupttreiber konnten aber Netzanschluss und Finanzierungskosten ausgemacht werden. Die durch Regularien induzierten Kosten variierten auch stark innerhalb der Länder. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Region, in der das Projekt realisiert werden soll.

Planung- und Genehmigung: Die durchschnittliche LCOE-Auswirkung von Planung und Genehmigung rangiert zwischen 2,5 EUR/MWh (Frankreich) und 4,5 (Schweiz). In Deutschland liegt sie bei 3,3 EUR/MWh. Dabei variieren die Kosten auch stark innerhalb der Länder.

Stromanschlusskosten: Die durchschnittlichen Stromanschlusskosten reichen von 2,4 EUR/MWh in Belgien bis zu 7,1 EUR/MWh in der Schweiz. Allerdings muss in Belgien zusätzlich noch eine Anschlussgebühr entrichtet werden. Diese steigert die Kosten erheblich. In Deutschland liegen die Kosten bei 3,1 EUR/MWh. Besonders in Frankreich, in den Niederlanden und in der Schweiz variieren die Kosten stark innerhalb der Länder.

Finanzielle Rahmenbedingungen: Diese weisen Unterschiede von mehr als 10 EUR/MWh zwischen den verschiedenen Staaten aus. In Deutschland ist er mit 1,9 EUR/MWh am niedrigsten in Belgien mit 12,8 EUR/MWh am höchsten.

Unternehmensbesteuerung: Die Kosten der Unternehmensbesteuerung liegen zwischen 1,9 EUR/MWh (Schweiz) und 4,6 EUR/MWh (Belgien). In Deutschland liegen sie bei 3,0 EUR/MWh.

Projekt Realisierungsperiode/Risiko der Nichtrealisation: Die Realisierungszeiträume liegen je nach Land zwischen sechs und neun Jahren. Dabei können die Projektlaufzeiten innerhalb eines Landes sehr unterschiedlich sein. Das Risiko, das Projekt nicht zu realisieren, liegt in der EU zwischen 33 Prozent (Frankreich) und 70 Prozent (Österreich).

Weiterhin wichtige Faktoren sind Standortbeschränkungen und -anforderungen.

Die Autoren der Studie empfehlen daher, bei zukünftigen grenzüberschreitenden Kooperationen im Bereich der erneuerbaren Energien, die Auswirkungen unterschiedlicher Regulierungsbedingungen stärker einzubeziehen. Dies wird umso wichtiger, je mehr die EU den Ausbau der Erneuerbaren vorantreibt. Um Marktverzerrung bei zukünftigen Erneuerbare-Energien-Auktionen entgegenzuwirken und damit Ressourcen effizient einzusetzen, müssen Regularien angeglichen, oder zu mindestens ein Ausgleich zwischen den EU-Staaten bei den Auktionen geschaffen werden.

Quelle: DIHK