Treibhausgasemissionen in der Europäischen Union sind 2017 gestiegen

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Nach den Schätzungen der Europäischen Umweltagentur (EUA) stiegen die Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,6 %. Deutschland wird sein europäisches 2020-Ziel voraussichtlich verfehlen. Die Erreichung des 2030-Ziels wird zu einer großen Herausforderung.

Am 26. Oktober veröffentlichte die Europäische Umweltagentur den jährlichen Bericht „Trends und Prognosen“ in Europa. Der Bericht bewertet die Fortschritte der EU und ihrer Mitgliedsstaaten im Bereich der Klima- und Energieziele auf Grundlage von Daten, die die Regierungen liefern.

Europaweite Trends

Nach vorläufigen Schätzungen stiegen die Treibhausgasemissionen im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,6 %. In 17 Ländern, darunter Deutschland, sind die Emissionen höher als im Vorjahr. Nur drei Länder konnten einen Rückgang verzeichnen: Dänemark, Finnland und das Vereinigte Königreich. Der Energiesektor konnte die Emissionen aufgrund des sinkenden Anteils von Kohle zur Strom- und Wärmeerzeugung leicht reduzieren. Im Transportsektor sind die Emissionen hingegen weiter gestiegen. Gleiches gilt für die Emissionen der Industrie, die nicht dem europäischen Emissionshandel (EU ETS) unterliegt.

Insgesamt ist weiter ein Abwärtstrend bei den Emissionen zu erkennen. Seit 1990 ist eine Verringerung von 21,9 % zu verzeichnen. Die Agentur ist davon überzeugt, dass die EU somit ihr Emissionsminderungsziel für 2020 erreicht. Dieses liegt bei 20 % und wird daher mit dem aktuellen Wert für 2017 bereits übertroffen.

Laut den jüngsten Prognosen zeigen die meisten Mitgliedsstaaten jedoch nur unzureichende Fortschritte im Hinblick auf die Erreichung der bestehenden 2030-Ziele. Hier seien ehrgeizigere Maßnahmen gefragt. Denn aktuell rechnet die Agentur damit, dass das Tempo der Reduktionen nach 2020 abnimmt, obwohl die 2030-Ziele eine Beschleunigung verlangen. Mit aktuellen Maßnahmen und Politiken würde eine Gesamtreduktion um 30 % erreicht. Ziel ist eine Minderung um mindestens 40 % im Vgl. zu 1990, die über den europäischen Emissionshandel (-43 % im Vgl. zu 2005) und die Lastenteilung in den Nicht-ETS-Sektoren (-30 % im Vgl. zu 2005) erreicht werden soll.

Einige der neuen EU-Gesetze des sog. „Winterpakets“ werden zur Erreichung der 2030-Klimaziele beitragen. Darüber hinaus sind aber nationale Maßnahmen erforderlich, insbesondere um die verbindlichen Ziele für die Nicht-ETS-Sektoren (u. a. Gebäude, Transport, Landwirtschaft, Abfälle) zu erreichen.

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments fordern in einer Entschließung anlässlich der Weltklimakonferenz in Polen (COP24) eine Anhebung des 2030-Klimaziels der EU von 40 % auf 55 %. Der DIHK empfiehlt in seiner Stellungnahme zur langfristigen Klimastrategie der EU, den Klimaschutz weltweit voranzubringen und von europäischen Alleingängen abzusehen.

Deutschland

Deutschland gehört nach Angaben der EUA zu den 10 Mitgliedsstaaten der EU, die ihr europäisches Klimaziel für die Nicht-ETS-Sektoren in 2017 nicht erreicht haben. Im Falle Deutschlands kann diese Zielverfehlung in der Größenordnung von 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente durch die Übertreffung der Ziele in den Jahren 2013-2015 (Übertragung von Überschüssen an sog. Emissionszuweisungen) ausgeglichen werden. Sollten sich die Schätzungen bewahrheiten, überträfen die Emissionen im Jahr 2017 den prognostizierten Wert um 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Die endgültigen Werte werden erst Ende 2019 vorliegen.

Emissionsprognosen 2005-2030 für Deutschland

Die Prognosen auf Grundlage bestehender Maßnahmen lassen zudem erkennen, dass Deutschland auch zu den acht europäischen Staaten (Österreich, Belgien, Zypern, Finnland, Irland, Luxemburg und Malta) gehören wird, die aus eigenen Anstrengungen ihr 2020-Ziel nicht erreichen. Die deutschen Emissionen könnten nach aktuellen Prognosen im Jahr 2020 um 15,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente über dem zur Verfügung stehenden Jahresbudget liegen. Mit zusätzlichen Maßnahmen könnte die Lücke auf 8,1 Millionen reduziert werden.

Sollten sich die auf der Grundlage existierender Maßnahmen basierenden Prognosen bewahrheiten, würde Deutschland unter dem Strich bis 2020 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente zu viel ausstoßen. Die EUA verweist jedoch darauf, dass diese Klimalücke noch größer ausfallen würde, wenn die Prognosen für die Jahre 2018-2020 nach oben korrigiert werden müssten. Die deutsche Bundesregierung vertritt die Auffassung, dass der Umfang der Zielverfehlung bis 2020 sich aktuell nicht belastbar abschätzen lässt.

Deutschland müsste in diesem Fall die Einhaltung seiner Ziele durch den Zukauf von Emissionszuweisungen aus anderen Ländern sicherstellen. Denn insgesamt wird die EU ihre 2020-Ziele übererfüllen. So rechnet die EUA mit einem Überschuss von 1.600 bis 1.759 Millionen Emissionszuweisungen.  Die größten Überschüsse werden voraussichtlich Italien, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Spanien aufweisen. Darüber hinaus können EU-Mitgliedsstaaten im Rahmen der Mechanismen des Kyoto-Protokolls (Clean Development Mechanism, Joint Implementation) auch einen begrenzten Anteil der benötigten Emissionsberechtigungen aus dem EU-Ausland kaufen.

Wie teuer der Zukauf von Emissionszuweisungen anderer EU-Staaten oder von Kyoto-Projektgutschriften würde, lässt sich nach Angaben der Bundesregierung nicht vorhersagen.

Deutlich machen die Prognosen auch, dass Deutschland sein 2030-Ziel mit bestehenden Maßnahmen nicht erreichen würde.

Quelle: DIHK