Neue Leitstudie zur Energiewende: Dena plädiert für breiten Technologiemix

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Die Studie der Deutschen Energieagentur (Dena) leuchtet in vier verschiedenen Szenarien die Pfade hin zu den Klimazielen 2030 und 2050 aus – darunter zwei Elektrifizierungs- und zwei Technologiemixszenarien, jeweils aufbauend auf dem 80- sowie dem 95-Prozent-Minderungsziel. Ergebnis: Ein breiter technologischer Mix sei sehr viel robuster, baue auf bestehender Infrastruktur auf, sei gesellschaftlich akzeptierter und koste bedeutend weniger.

Insgesamt kämen auf die Volkswirtschaft im Falle einer breit und technologisch diversifiziert angelegten Energiewende zwischen 500 und 600 Mrd. Euro weniger Kosten zu, als wenn einseitig auf eine starke Durchdringung strombasierter Anwendungen gesetzt würde. In den beiden Elektrifizierungsszenarien würde der Endenergieverbrauch in den Sektoren Gebäude, Industrie und Verkehr vor allem durch den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen, strombasierten Produktionsanlagen und Elektroantrieben gedeckt werden. Die Technologiemixszenarien sehen hingegen mehr gasförmige und flüssige Kraft- und Brennstoffe vor, die mithilfe von erneuerbaren Energien synthetisch erzeugt werden können.

Ein hoher Elektrifizierungsgrad würde zudem deutlich mehr verfügbare Flächen für den Ausbau von Wind- und Solaranlagen sowie des Stromnetzes bedingen, was zu sinkender gesellschaftlicher Akzeptanz der Energiewende führen könne. Die Einbeziehung von synthetischen Brenn- und Kraftstoffen über die sog. Power-to-X-Verfahren hingegen würde stärker auf bestehende Infrastrukturen aufbauen. Den Bedarf an diesen Stoffen beziffern die Autoren für das Jahr 2050, je nach Szenario, auf 150 bis 908 Mrd. TWh, gedeckt überwiegend durch Importe. Zugleich wird empfohlen, in Deutschland bis 2030 entsprechende Anlagen mit 15.000 MW Gesamtleistung zu installieren, um den hiesigen Power-to-Gas-Markt anzustoßen.

Im Unterschied zu den veröffentlichen Zwischenergebnissen im Oktober letzten Jahres, in denen das Erreichen von 95 Prozent noch als unwahrscheinlich angesehen wurde, sei dieses maximale Minderungsziel nunmehr möglich. Dafür müsse jedoch auf die bislang kontrovers diskutierten Technologien CCU (Carbon Capture and Utilization) und/oder CCS (Carbon Capture and Storage) zurückgegriffen werden. Für die Erreichung des 95-Prozent-Ziels seien die unterirdische Speicherung oder das Recycling von jährlich 16 Mio. Tonnen CO2 nötig.

Über alle Szenarien hinweg gilt das Postulat, die Steigerung der Energieeffizienz sowie den Ausbau der Erneuerbaren stärker als bislang voranzutreiben. Statt der bislang vorgesehenen 5,4 GW pro Jahr für Wind und PV sei ein jährlicher Nettozubau von 6 bis 7,6 GW notwendig. Angesichts knapper werdender verfügbarer Flächen für Windenergie an Land sei ab 2030 vermehrt auf Wind auf See zu setzen. Aufgrund des prognostizierten langfristigen Wirtschaftswachstums, des Ausstiegs aus der Atomenergie und des sich abzeichnenden Endes der Kohleverstromung steige die nachgefragte Strommenge und die Spitzenlast bis 2050 gleichwohl weiter an, während immer weniger wetterunabhängige Kraftwerkskapazitäten zur Verfügung stehen. Hier könnten Gaskraftwerke, Speichertechnologien, Laststeuerung (Demand Side Management) sowie Stromimporte Abhilfe schaffen. Zur ausführlichen Erörterung der Versorgungssicherheitsfrage empfiehlt die Dena die Einrichtung eines Stakeholderdialogs.

Die Dena plädiert in der Studie zudem nachdrücklich dafür, dass die Politik noch im Verlauf dieser Legislaturperiode die Klimaziele für 2050 konkretisiert und einen langfristigen Planungshorizont für alle beteiligten Akteure ermöglicht. Je nachdem welches Ende des Zielkorridors angestrebt wird, würden sich daraus bereits für die Ausrichtung auf das Jahr 2030 unterschiedliche Weichenstellungen ergeben. Würden keine zusätzlichen Anstrengungen unternommen, so die Aussage des zugrundeliegenden Referenzszenarios, würde lediglich eine CO2-Minderung von 62 Prozent erreicht werden können.

Die Studie kann hier eingesehen und heruntergeladen werden.

Quelle: DIHK