Negative Strompreise, flexible Kraftwerke und viel Wind über Weihnachten und den Jahreswechsel

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Über Weihnachten und den Jahreswechsel stellten sich an der Strombörse, wie schon fast traditionell, immer wieder auch für längere Zeiträume negative Preise ein, obwohl die konventionelle Erzeugung deutlich stärker heruntergefahren wurde, als bislang für möglich erachtet. Die Stromnachfrage war an diesen Tagen gering, während vor allem die Erzeugung aus Windkraft hoch war.

Über die Feiertage waren die Preise an der Strombörse immer wieder im negativen Bereich. Am 24.12. waren die Preise im Day-Ahead-Markt an 10 Stunden negativ, am 25.12. für 8 Stunden. Der Tiefststand lag bei -61,41 €/MWh. Am 01.01. waren sogar an 15 Stunden negative Preise mit einem Tiefststand bei -76,01 €/MWh zu verzeichnen. In den frühen Morgenstunden konnte zudem erstmalig nach Daten der Bundesnetzagentur (www.smard.de) die gesamte Stromnachfrage bilanziell dank hoher Windkrafteinspeisung aus Erneuerbaren gedeckt werden.

Dabei zeigte sich: Die Erzeugung aus dem konventionellen Kraftwerkspark agiert in längeren Phasen mit absehbar geringen oder negativen Preisen deutlich flexibler als bislang angenommen. Am 24.12. lag die konventionelle Erzeugung aufgrund der negativen Strompreise zeitweise bei nur knapp über 15 GW. Bislang lagen Mindesterzeugung (für das Netz erforderliche Erzeugung) und konventioneller Erzeugungssockel (untere Leistungsgrenze, technische und ökonomische Restriktionen der Kraftwerke) in Summe bei deutlich über 20 GW (Bericht über die Mindesterzeugung (BNetzA, 2017), Studie Konventionelle Mindesterzeugung (Consentec, 2016)).

Die Leistung aus Braunkohlekraftwerken sank zeitweise auf unter 5 GW bei derzeit 21 GW installierter Leistung. Steinkohle sank auf unter 0,8 GW (25 GW inst. Leistung), Erdgas auf unter 400 MW (27 GW inst. Leistung) und sonstige Kraftwerke auf 3,3 GW. Die Erzeugung aus Atomkraftwerken wurde am 24.12. im Minimum auf knapp über 5,5 GW heruntergefahren, am 01.01. dann sogar auf unter 4,7 GW. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Block B des AKW Gundremmingen am 31.12. endgültig abgeschaltet worden ist.

Die unerwartet niedrige Erzeugung aus konventionellen Kraftwerken war möglich, da mehrere Faktoren zusammenfielen: Zum einen ist die technische Flexibilität der Anlagen in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht worden. Zum anderen war über einen längeren Zeitraum mit geringen und sogar negativen Preisen zu rechnen, so dass sich das Herunterfahren auf das technische Minimum und die Abschaltung einzelner Kessel auch wirtschaftlich lohnt. Die Nachfrage ist über die Feiertage und den Jahreswechsel generell niedrig, zugleich war eine hohe Erzeugung aus Windkraft zu erwarten. Darüber hinaus war aufgrund der milden Temperaturen die erforderliche Wärmeauskopplung für die Jahreszeit niedrig.

Die im Prinzip steuerbare Erzeugung von Strom aus Biomasse hingegen hat kaum auf das niedrige Preisniveau reagiert: Ihre Erzeugungsleistung lag konstant bei etwa 4,4 GW. Aufgrund der festen Einspeisevergütung aus dem EEG besteht für die Anlagen auch kein Anreiz für eine angepasste Einspeisung.

Quelle: DIHK