Monitoring der Energiewende

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Die Expertenkommission für den Monitoring-Prozess zur Energiewende hat Anfang November einen Kurzkommentar zu Stand und wichtigen Handlungsfeldern der Energiewende veröffentlicht. Danach werden vier von sechs wesentlichen Energiewendezielen voraussichtlich verfehlt. Die Kommission empfiehlt, die Energiewendeziele mit einem 2030-Horizont neu zu definieren.

In ihrer Einschätzung zur Zielerreichung kommt die Expertenkommission zu folgenden Ergebnissen:

Reduktion der Treibhausgasemissionen: Die angestrebte Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990 wird mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich verfehlt. Bisher wurde eine Reduktion von 28 % auf rund 906 Mio. t CO2-Äquivalente erreicht. Allerdings stagnieren sie seit 2009. Für das Jahr 2017 wird eine erneute Zunahme der Treibhausgasemissionen erwartet. Zur Schließung der Lücke wäre für die drei Jahre von 2018 bis 2020 eine jährliche Emissionsreduktion um rund 50 Mio. t CO2-Äquivalente erforderlich, vier Mal mehr als im Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2016.

Ausstieg aus der Kernenergie: Zielerreichung wahrscheinlich.

Erhöhung des Anteils Erneuerbarer am Bruttoendenergieverbrauch: Wird wahrscheinlich erreicht, allerdings nicht im Verkehr und wahrscheinlich auch nicht im Bereich Wärme.

Reduktion des Primärenergieverbrauchs: Zielerreichung wird verfehlt, Entwicklungen im Bereich der Energieeffizienz bleiben insgesamt unbefriedigend.

Versorgungssicherheit/Ausbau des Übertragungsnetzes: Zielerreichung nicht sichergestellt bzw. deutlich verzögert, was sich in sprunghaft gestiegenen Kosten für Systemdienstleistungen (Redispatch, Einspeisemanagement) widerspiegelt und zu deutlichen Netzentgelterhöhungen führt. Die Versorgungsqualität ist weiter hoch.

Preiswürdigkeit: Trotz Stabilisierung der Belastungen im Strombereich in den letzten Jahren wird die Preiswürdigkeit der Energieversorgung auch mit Blick auf absehbar wieder steigende Umlagen kritisch bewertet. So sind seit 2011 die Elektrizitätsstückkosten in der Industrie um durchschnittlich 5 % gestiegen, während in Europa ein Rückgang um 2 % zu verzeichnen war. Als problematisch werden auch die Verteilungskonflikte in Folge der Energiewende bewertet. Die Preiswürdigkeit im Bereich Wärme und Verkehr ist gegeben.

Die Expertenkommission schlägt eine Erweiterung des bisherigen Zielhorizonts 2020 auf das Jahr 2030 vor. Davon ausgehend werden folgende Maßnahmen für eine Sicherstellung der Zielerreichung vorgeschlagen:

  • Einführung einer allgemeinen CO2-Bepreisung unter Einbeziehung aller Emissionsquellen, Technologien und Sektoren.
  • Weitergehende Stilllegung älterer Braunkohlekraftwerke, über die seit 2016 bestehende Sicherheitsbereitschaft hinaus.
  • Ganzheitliche Betrachtung von Effizienz: „Think Efficiency“ statt „Efficiency First“.
  • Entwicklung einer integrierten und verkehrsträgerübergreifenden Strategie für den Verkehr, die neben alternativen Antrieben und Effizienzsteigerungen, Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und -verlagerung und die effiziente Nutzung der vorhandenen Verkehrsinfrastrukturen beinhaltet.
  • Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für den Ausbau der EE-Stromerzeugung: Anstelle regulatorischer Vorschriften wie der Einführung Netzengpassgebieten zur Steuerung des Ausbaus sollte auf marktliche Anreize, z. B. durch die Einführung regional differenzierter Netzanschlussgebühren für Einspeiser, gesetzt werden, um lokale Netzüberlastungen zu vermeiden. Zudem sollte die EE-Förderung so weiterentwickelt werden, dass Betreiber stärker Marktrisiken übernehmen, z. B. durch Einführung einer fixen Marktprämie. In Kombination mit einer CO2-Bepreisung sieht die Expertenkommission die Möglichkeit, die Förderung vollständig wegfallen zu lassen.
  • Entwicklung von Leitlinien für Netzeingriffe, um die Instrumente der Systemstabilisierung der Kostenoptimierung zu unterziehen. Dazu gehört nach Einschätzung der Expertenkommission auch die zeitliche und regionale Dynamisierung von Netzentgelten.

Den Link zur Studie finden Sie hier.

Quelle: DIHK