Neuer Schwung für EMAS?

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Die Europäische Kommission hat am 30. Juni 2017 ihren Evaluationsbericht (Fitness-Check) zum Umweltmanagementsystem EMAS verabschiedet. Um die Potenziale von EMAS für Umwelt und Unternehmen und die Zahl der Registrierungen zu steigern, sollen die Vorteile für EMAS-registrierte Organisationen erhöht werden.

Im Rahmen des Programms zur Gewährleistung der Effizienz und Leistungsfähigkeit der Europäischen Gesetzgebung (REFIT) hat die Europäische Kommission für die Verordnung zum Europäischen Umweltmanagementsystem EMAS einen Fitness-Check durchgeführt. Grundlage waren Studien und Umfragen, die in den letzten Jahren durchgeführt worden sind. Im Ergebnis bestätigt die Kommission die nützliche – wenn auch aufgrund der geringen Inanspruchnahme begrenzte – Rolle von EMAS. Die Kommission sieht die Mitgliedstaaten in der Verantwortung, sich hinter EMAS zu stellen mehr für die Verbreitung und Anerkennung von EMAS zu tun. Parallel erfolgte auch ein Fitness-Check des EU-Umweltzeichens (EU Ecolabel).

Die wesentlichen Ergebnisse des Fitness-Checks sind:

  • EMAS dient nicht nur dem Erreichen von Umweltzielen, sondern hat auch das Potenzial wirtschaftspolitische Ziele zu unterstützen. Richtig angewendet, kann EMAS Innovationen fördern und zu echten Marktveränderungen beitragen.
  • Die Zahl der EMAS-Registrierungen liegt aber deutlich unter den Erwartungen der Kommission. Die Zahl der EMAS-Registrierungen ist in den Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich hoch. Die meisten Registrierungen gibt es in Deutschland und Spanien. In einigen Mitgliedstaaten gibt es nur vereinzelte Registrierungen.
  • Die Verbreitung von EMAS reicht nicht aus, um wesentliche Änderungen bei allgemeinen Produktions- und Verbrauchsmustern zu erzielen.
  • Eine Teilnahme an EMAS wird aufgrund nicht ausreichender Sensibilisierung von Geschäftspartnern, Verbrauchern und Behörden nur begrenzt belohnt. Hindernisse für eine stärkere Nutzung von EMAS werden in einer mangelnden Integration von EMAS in der Politik gesehen. Es fehlt an Anreizen in Form von Befreiungen von regulatorischen Lasten. In vielen Mitgliedstaaten fehlen Werbeaktivitäten für EMAS. EMAS steht zudem im Wettbewerb zum weltweit anerkannten und (bezüglich Berichterstattung/Validierung) weniger anspruchsvollen Umweltmanagement nach ISO 14001.
  • Ein weiterer Grund für die geringe Inanspruchnahme von EMAS wird in den Teilnahmekriterien gesehen, die von der Industrie teils nur schwer einzuhalten sind. Dies gilt insbesondere für KMU.

Trotz der festgestellten Einschränkungen hinsichtlich Wirksamkeit und Zielerreichung wird EMAS von der Kommission weiterhin als relevanter Teil des EU-Politikrahmens für Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch bewertet. Besonders herausgestellt wird, dass bei EMAS die Umweltauswirkungen während des gesamten Lebenszyklus bzw. über einen längeren Zeitraum bewertet und verbessert werden. Untersuchungen zeigen, dass mit EMAS häufig eine höhere Steigerung der Umweltleistung erreicht wird als mit der ISO 14001. Allerdings seien mit der Überarbeitung der ISO 14001 im Jahr 2015 wesentliche, wenn auch noch nicht alle Elemente von EMAS übernommen worden.

Die besonderen Anforderungen von EMAS an die Einhaltung umweltrechtlicher Vorhaben (legal compliance) sowie an die Berichterstattung ermöglichen den Behörden, die Umweltleistungen von EMAS-Organisationen in Form von Verwaltungserleichterungen anzuerkennen und qualifizieren EMAS als umweltpolitisches Instrument für eine bessere Umsetzung umweltrechtlicher Vorgaben. Als weitere Maßnahmen zur Unterstützung von EMAS stellt die Kommission das Aufgreifen national erfolgreicher Anreize, die Gewährleitung effizienter Berichterstattungskanäle von EMAS-Organisationen zu Behörden und die Entwicklung einer klaren EMAS-Kommunikationsstrategie zur Diskussion. Dies setze aber voraus, dass die Mitgliedstaaten sich deutlicher zu EMAS bekennen und mit Maßnahmen zur Förderung von EMAS zu einer stärkeren Verbreitung beitragen.

Die abschließende Bewertung der EU-Kommission zur Umsetzung der EMAS-Verordnung (Link) und eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Fitness-Checks (Link) sind auf der Internetseite der Europäischen Kommission veröffentlicht.

Der DIHK erwartet, dass nun mit Abschluss des Fitness-Checks zeitnah die Übernahme der ISO 14001:2015 in den Anhang der EMAS-Verordnung erfolgt.

Quelle: DIHK