Strom 2030: BMWi veröffentlicht Bericht zu KWK

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Aufbauend auf der Konsultation zum Impulspapier „Strom 2030“ hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) nun den Ergebnisbericht zu KWK veröffentlicht. Hauptfazit: Brennstoffbetriebene KWK-Anlagen haben bis 2030 eine Zukunft, weil sie fossile Erzeugung ohne KWK ersetzen. Bis 2050 wird ihre Bedeutung aber sukzessive zurückgehen. Nur mit erneuerbaren Brennstoffen bleibt ein begrenzter Anwendungsbereich für diese Technologie übrig.

Die wichtigsten Aussagen des Papiers:

  • 2050 sollen Strom- und Wärmesektor weitgehend treibhausgasneutral sein und damit fossile Brennstoffe soweit wie möglich vermieden werden. Klar ist auch: Erneuerbare Brennstoffe (Biomasse und synthetisch erzeugte Gase) sind teuer. Ob KWK dann überhaupt noch eine Rolle spielen kann, ist fraglich. So lange die Sektoren noch nicht weitgehend treibhausgasneutral sind, spielen (gasbasierte) KWK-Anlagen eine wichtige Rolle als Back-up. Der Ausbau fossiler KWK darf aber nicht zu Lock-in-Effekten führen.
  • Wärmenetze haben eine strategische Bedeutung für die Energiewende, weil sie den Vorteil haben, viele Technologien und auch Wärmespeicher einbinden zu können. Dadurch können sie flexibel auf unerwartete Entwicklungen reagieren. In dicht besiedelten Gebieten sollen überwiegend Wärmenetze die Versorgung übernehmen – am besten mit niedrigeren Temperaturen als heute. Dabei sollen sie künftig auch Wärme aus verschiedensten Quellen aufnehmen können. In weniger dicht besiedelten Regionen übernehmen dafür Wärmepumpen und erneuerbare Energien dezentral die Wärmeversorgung.
  • Langfristig gibt es Nutzungskonkurrenzen zwischen dem Einsatz erneuerbarer Brennstoffe in KWK-Anlagen und überall dort, wo sie schwer ersetzbar sind – zum Beispiel im Luft- und Schiffsverkehr.
  • In der Industrie spielen langfristig neben KWK-Anlagen Power-to-Heat-Anlagen eine wichtige Rolle, um die notwendigen Temperaturniveaus für Prozesswärme zu erreichen.
  • Die Rahmenbedingungen für KWK sollen neu ausgerichtet werden: So sollen kommunale Wärmepläne zum Standard werden, um kommunalen Akteuren mehr Entscheidungshilfen zu geben. Im Industriebereich sollen Flexibilitätshemmnisse abgebaut werden, damit das Strompreissignal bei den Unternehmen ankommt und die Anlagen nicht mit einer hohen Einspeisung aus Wind und PV in Konflikt kommen. Auch im Wärmemarkt sollen klare marktliche Flexibilitätsanreize geschaffen werden.

Folgende Vorschläge zur Weiterentwicklung der KWK werden gemacht (Auswahl):

  1. Übergreifende Weiterentwicklung der KWK: Neue Anlagen im Niedertemperaturbereich und mittelfristig auch im Hochtemperaturbereich sollen nur dann eine Förderung erhalten, wenn sie flexibel auf Strom und Wärme aus Wind und Sonne reagieren können. Als Rahmenbedingung soll auch eine Stärkung der CO2-Preise erfolgen sowie über die Angleichung regionaler Netzentgelte bundesweit gleiche Wettbewerbsbedingungen für KWK-Anlagen geschaffen werden.
  2. KWK in der öffentlichen Versorgung: Lokale Einsatzreihenfolge für die Erzeugung im Wärmenetz festlegen, Power-to-heat für Gas-KWK standardmäßig einführen, KWK-Anlagen vor EE-Anlagen abregeln (Einspeisemanagement).
  3. KWK in der Industrie: Brennstoffbetriebene KWK-Anlagen auf Mittel- und Hochtemperaturwärme im Bereich 130 bis 600 Grad Celsius konzentrieren und unflexible Mindesterzeugung abbauen.

DIHK-Bewertung:  Das Papier verkennt die Bedeutung der KWK in der Industrie. Dort wird sie vor allem zur Verwertung von Reststoffen eingesetzt. Zudem ist es derzeit technisch-wirtschaftlich nicht möglich, hohe Temperaturniveaus in der Industrie durch Power-to-heat zu bedienen. Sollten Flexibilitätsanforderungen eingeführt werden, würden statt KWK in vielen Fällen Gaskessel zur Wärmeerzeugung zum Einsatz kommen – mit Nachteilen für den Klimaschutz. Wärmenetze werden als strategische Option für die Energiewende gesehen, da sie verschiedene Technologien einbinden können. In der Praxis hängt dies derzeit vom Gutdünken des Fernwärmenetzbetreibers ab. Um diese Option zu ziehen, sollte daher der Zugang zu diesen Netzen liberalisiert und Wechselmöglichkeiten eingeführt werden. Im Entwurf der EE-Richtlinie der EU sind bereits Maßnahmen in diese Richtung enthalten. Unbeantwortet bleibt im Papier der Widerspruch zwischen den Anforderungen höherer Temperaturniveaus in der Industrie und der aus Effizienzgründen erforderlichen Absenkung des Temperaturniveaus im Fernwärmesystem. Generell drängt sich der Eindruck auf, dass KWK bis weit nach 2030 nicht ohne Förderung auskommen kann. Vor allem auch, weil es sehr viele Stunden mit Stillstand aufgrund hoher Wind- und/oder PV-Stromerzeugung geben wird. Nicht zuletzt wird die Frage ausgeklammert, wie die mit Fördermitteln errichteten Fernwärmenetze und Erzeugungsanlagen langfristig auf regenerative Energieträger umgerüstet werden können. Dies gilt insbesondere Ballungsräumen mit begrenzten Flächenressourcen. Aus der Sichtweise des Papiers einer stark elektrifizierten Energieversorgung wird das Potenzial synthetischer Gase und Bioenergie gering eingeschätzt, was angesichts der ungelösten saisonal Speicherfrage zu hinterfragen ist.

Sie finden das Papier des BMWi hier.

Quelle: DIHK