EU-Studie zu Energieaudits und Energiemanagementsystemen

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Mitte Mai hat die EU-Kommission eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zur nationalen Umsetzung von Art. 8 der EU-Energieeffizienzrichtlinie veröffentlicht. Den Ergebnissen zufolge kam im Untersuchungszeitraum bis Sommer 2015 eine Reihe von Mitgliedstaaten den EU-Verpflichtungen auch mehr als ein Jahr nach der offiziellen Umsetzungsfrist noch nicht nach.

Nach Artikel 8 der EU-Energieeffizienz-Richtlinie sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, sicherzustellen, dass Unternehmen, die kein KMU sind, bis zum 5. Dezember 2015 Gegenstand eines Energieaudits werden, das, gerechnet vom Zeitpunkt des ersten Audits, mindestens alle vier Jahre durchgeführt werden muss.

Laut der aktuellen Studie, deren Untersuchungszeitraum im Spätsommer 2015 endete, konnten zwar viele Länder, darunter Großbritannien, Frankreich und Schweden, auf dem Papier eine rechtliche Umsetzung nachweisen, allerdings sei bis dato vielerorts noch nicht behördlich geprüft worden, ob die EU-Vorschriften auch tatsächlich in den Unternehmen umgesetzt wurden. In Spanien, Belgien (Region Brüssel und Wallonie), Polen, Lettland, Litauen, Estland, Zypern und Luxemburg befand sich die Umsetzung während Erarbeitung der Studie noch in vollem Gange. Fortschritte, die in diesen Ländern möglicherweise in den letzten Monaten erreicht wurden, sind in der aktuellen Studie also nicht abgebildet.

Das unterschiedliche Tempo bei der nationalen Implementierung führt insbesondere bei grenzüberschreitend operierenden Unternehmen zu Rechtsunsicherheiten. Erschwerend hinzu kommt, dass die EU-Richtlinie den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung recht viel Spielraum lässt. So schlagen sich z. B. divergierende nationale Auffassungen darüber, wer, unabhängig von der EU-KMU-Definition, etwa aufgrund des Energieverbrauchs, zum Kreis der zu Auditierenden gehören sollte, in den nationalen Umsetzungsrechtsakten nieder. Unterschiede gibt es auch mit Blick auf staatliche Unterstützungsangebote. Während es fast in allen Ländern einschlägige Informationsangebote gibt, bieten einige Länder zusätzlich auch finanzielle Hilfen an. Zuletzt variieren die Strafen bei Nichteinhaltung von 10.000 Euro in Österreich bis zu 200.000 Euro in Rumänien.

Auf die Probleme unterschiedlicher nationaler Ausgestaltungen hatte bereits Eurochambres in einer eigens angefertigten ähnlichen, wenn auch deutlich schlankeren, Umsetzungsstudie aufmerksam gemacht.

Neben den Regeln für Nicht-KMU untersuchte die aktuelle Studie auch Angebote für KMU. Gemäß Artikel 8 sollen die Mitgliedstaaten KMU dazu ermutigen, sich Energieaudits zu unterziehen. Dabei sind laut Kommission auch spezielle Förderungen zulässig. Die Studie zeigt, dass die Mitgliedstaaten vielfältige Ansätze verfolgen, einschließlich regulatorischer Instrumente, Informationsangebote, finanzieller Hilfen und freiwilliger Vereinbarungen.

Auf Seite 10 der Studie ist eine übersichtliche Tabelle über die größten Herausforderungen bei der Umsetzung abgebildet, inklusive einiger Umsetzungsempfehlungen. Ab Seite 89 ist die deutsche Umsetzung mit näheren Hinweisen zum EDL-G sowie zu weiteren Maßnahmen im Rahmen des NAPE dargestellt.

Die Studie, die im Auftrag der Kommission von Fraunhofer ISI und Ricardo Energy & Environment erarbeitet wurde, ist unter folgendem Link abrufbar. Die Studie von Eurochambres finden Sie hier.

Quelle: DIHK