Die Fitnessbranche lebt von Trends. Schwer angesagt ist derzeit Functional Training, das darauf abzielt, ganze Muskelgruppen zu stärken, meist mit dem eigenen Körpergewicht.  Auch drängen ständig neue Produkte im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel oder Trainingsgeräte auf den Markt. Die Konkurrenz ist groß, die Kunden stellen immer höhere Ansprüche an die Qualifikation der Studios und auch hier hat die Digitalisierung Einzug gehalten.

Krafttraining ist und bleibt der Klassiker des Fitnesstrainings. Doch die Kunden sind anspruchsvoller geworden. Sie informieren sich bei der Wahl ihres Studios – aufgrund des schwer überschaubaren Angebots auf dem Fitnessmarkt – immer genauer. Laut des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) hat sich die Fitnessbranche auf diese Entwicklung eingestellt und ein hohes Ausbildungsniveau in den Studios etabliert. Demnach verfüge heute schon jeder fünfte Mitarbeiter in der Fitnessbranche über einen akademischen Abschluss. Neue Technologien und auch die Digitalisierung machen nicht Halt vor den Studios – so unterstützen digitale Lösungen Mitglieder von Fitness-Studios vor allem im Trainingsbereich. Per Chipkartensteuerung können beim Zirkeltraining individuelle Körpermaße und Trainingsziele des Kunden berücksichtigt werden; elektronische Widerstände ersetzen Gewichte und präzise Taktung garantiert genaue Belastungsphasen. Auch kann der Kunde sein Training über eine App dokumentieren und steuern. Ergänzt werden die Fitnesseinheiten immer häufiger durch Computertechnologie wie Wearables oder Fitnesstracker, so dass auch Daten außerhalb des Studios in die Trainingsplanung einfließen können.

Steigender Bewegungsdrang

Eine detaillierte Planung zählt auch für Kalle Padberg zum Fitness-A und -O. Noch wichtiger als technologische Unterstützung ist dabei aus seiner Sicht gute persönliche Beratung. Mit seinem Paderborner Fitnessstudio Herzschlag bietet Padberg seit 2009 sowohl klassisches Krafttraining als auch Kursprogramme und Firmenfitness an. „Die Leute kommen zu uns, weil sie sich hier gut aufgehoben fühlen“, erklärt der Diplom-Sportwissenschaftler. „Dafür zahlen sie dann auch gern ein paar Euro Beitrag mehr als bei den großen Ketten.“ Diese Ketten wie beispielsweise McFit, Clever Fit, Xtrasport oder Fit One sieht Padberg daher nicht als Bedrohung für inhaber- oder vereinsgeführte Studios. „Es gibt für beides seine Berechtigung: Gerade jüngere Menschen mit kleinerem Budget finden für ihre Zwecke in den größeren Studios passende Bedingungen. Die wissen aber auch, dass sie für 15 bis 20 Euro im Monat nicht viel Beratung erwarten können.“ Die Herzschlag-Zielgruppe sei typischerweise etwas älter „und legt mehr Wert auf Komfort, eine gewisse Vertrautheit und Wohlfühlatmosphäre“, erklärt Padberg, und fügt mit einem Lachen an: „Wobei ‚ältere Zielgruppe‘ für viele ja schon bei 30 anfängt.“

Grundsätzlich schätzt Padberg den steigenden Bewegungsdrang nicht als  vorübergehenden Trend ein. „Das ist eine generelle Entwicklung. Die Menschen werden immer älter, sind aber auch bis ins hohe Alter immer aktiver und körperbewusster.“ Dies spiegle sich auch in den Mitgliederzahlen wider. „Natürlich gibt es immer mal Zeiten, in denen man wieder einen kleinen Schub bemerkt, aber grundsätzlich ist unsere Mitgliederzahl sehr konstant“, erklärt er. „Wir haben sogar einige Mitglieder, die schon länger dabei sind und deren Verträge noch vom Vorpächter stammen.“ Dafür seien die kleineren Studios auch nicht so stark von Schwankungen betroffen, wenn ein neuer Platzhirsch eine Filiale in der Stadt eröffne und die Kunden der großen Studios von einer Filiale in eine andere wechseln. „Den Leuten, die zu uns kommen, ist erst mal egal, ob sie auf einer blauen oder auf einer roten Bank trainieren“, betont Padberg. „Sie legen viel mehr Wert auf Sauberkeit, und auf eine professionelle Betreuung durch Sportwissenschaftler und gut ausgebildete Kursleiter.“

Beim Thema Kurse sei derzeit auch die meiste Dynamik im Fitness-Sektor zu beobachten. „Die Leute sind da experimentierfreudig und probieren verschiedene Sachen aus – am wichtigsten ist den meisten einfach dieses Gemeinschaftsgefühl beim Sport“, sagt Padberg.  Dies hätten auch die großen Ketten realisiert, die ihr Kursangebot in der jüngeren Vergangenheit zunehmend ausbauten. „Derzeit sind vor allem Sachen wie Functional Fitness oder Yoga-Kurse sehr gefragt, dafür verschwinden andere Trends so langsam wieder aus den Fitness-Studios, wie beispielsweise Zumba.“ Das klassische Kraft- und Gerätetraining sei jedoch nie aus der Mode gekommen. „Das kann man einfach auch bis ins hohe Alter machen“, unterstreicht Kalle Padberg, „sofern man es mit Bedacht macht und ein bisschen auf den eigenen Körper hört.“

Das ganze Branchenportrait gibt es in der aktuellen Ausgabe der Ostwestfälischen Wirtschaft.

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